Wirtschaft

Forscher gesucht!

Die Magisterarbeit in der Wildnis schreiben? Theorie mit Praxis verbinden? Die Naturschutzorganisation PANparks gibt jungen Forschern die Gelegenheit dazu. Die WWF (World Wildlife Fund) – Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, die letzten Flecken Wildnis in Europa zu schützen und bietet Studierenden, Doktoranten und interessierten Forschern Forschungsprojekte in den Bereichen Artenvielfalt, nachhaltiger Tourismus sowie Marketing und Kommunikation an. Geforscht wird in elf europäischen Nationalparks, die dem PANparks Netzwerk angehören und sich vom nördlichen Polarkreis bis zur Iberischen Halbinsel erstrecken.

Die genauen Forschungsziele werden von den einzelnen Parks vorgegeben. „Bewerber können auch eigene Vorschläge einreichen. Wir überprüfen dann, ob ein Park an dem Thema Interesse hat und helfen mit der Logistik“, sagt Zoltan Kun, Direktor von PANparks. Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung sind u.a. gute Englischkenntnisse, denn auch die Forschungsarbeit muss in Englisch verfasst werden

Weitere Infos unter http://www.panparks.org/ bzw. zkun@panparks.org .

Nach der Krise ist vor der Krise

Kaum kracht der Finanzsektor zusammen, wird der Kapitalismus beerdigt - oder wenigstens neu frisiert. Kapitalismus reloaded, aber bitte 2.0, also ohne Gierbänker und Consulting-Heißdüsen, dafür mit einer extra Packung Regulierung und ganz viel neuer Bescheidenheit.

Zu den Kollateralgeschädigten des globalen Crashs zählen nicht nur die amerikanischen Häuslekäufer oder deutsche Risikoanleger. Schwer angezählt ist auch der Neoliberalismus, der uns - von Ackermann bis Zetzsche, von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bis zu Bundespräsident Horst Köhler - in den letzten Dekaden weltweit am liebsten auf dauerflexible Prekärexistenzen herunterderegulieren wollte. Beinahe tragisch, wie der als Vordenker und Querkopf gepriesene Ex-Finanzexperte Friedrich Merz (CDU) unlängst sein neuestes Buch vorstellte. Titel: Mehr Kapitalismus wagen . Autsch!

Doch alles kein Grund zur Schadenfreude. Die Maßnahmen und Regelungen, die die Regierungschefs jetzt für den Finanzsektor beschließen, überdecken das Wesentliche: Zum Beispiel dass der Umbau der deutschen Universitäten zu Dienstleistungsanstalten für den gehobenen Bildungsbedarf weiter - irreversibel - vorangetrieben wird. Kaum ein Mensch spricht in der alles beherrschenden Krise des Kapitals mehr vom totalen Scheitern der Bologna-Reform und den Bertelsmännern, die uns das alles mit ihren Effizienz und Exzellenz suggerierenden Rankings und "Qualitätsoffensiven" eingebrockt haben.

Und der Protest, der sich im Zorn gegen die Banken entlädt, er kommt erst gar nicht auf an den Universitäten. Kein Wunder, zum Protestieren bleibt den Studierenden, zwischen Privatkredit und Credit-Points, ja keine Zeit mehr.

Der Kapitalismus ist nicht untergegangen, er lenkt uns nur gerade erfolgreich von seinem eigenen Erfolg ab.

Neue Studie zum Niedriglohnsektor

Der Niedriglohnsektor ist in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Mittlerweile gehört mehr als jeder sechste Vollzeitbeschäftigte zu den "Geringverdienern".
Frauen sind von niedrigen Löhnen überproportional betroffen. Sie stellen nur gut 35 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten, aber fast 60 Prozent der vollzeitbeschäftigten "Geringverdiener". Frauen sind zudem besonders gefährdet, im Niedriglohnsektor zu verbleiben: Bei den Männern schaffte rund jeder fünfte innerhalb von sechs Jahren den Sprung über die Niedriglohnschwelle, bei den Frauen nur jede zehnte.
Die prekäre Lage der "Geringverdiener" zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Lehrstuhls für Arbeitsmarkt- und Regionalpolitik der Universität Erlangen-Nürnberg auf.

Freie Fahrt aufs Abstellgleis...?

Nach langen Verhandlungen zwischen den Koalitionsparteien in Berlin ist es nun so weit: Die Deutsche Bahn geht an die Börse, zumindest teilweise.

Der Studienpreisträger und sciencegarden-Autor Tim Engartner hat darüber und über die Sünden der Privatisierer eine erhellende Doktorarbeit geschrieben, die soeben im VS-Verlag erschienen ist: " Die Privatisierung der Deutschen Bahn . Über die Implementierung marktorientierter Verkehrspolitik."

Engartners Arbeit ist ein Plädoyer gegen die neoliberale Wettbewerbslogik im Bereich der öffentlichen Güter - und gehört ins Regal nicht nur von Verkehrspolitikern. Am Beispiel der gescheiterten Bahnprivatisierung in England zeigt Engartner auf, wieso wir dem Börsengang besser eine Absage erteilt hätten.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Deutsche Bahn demnächst nicht aufs Abstellgleis gerät oder - wie unlängst in Neuseeland geschehen - vom Staat wieder zurückgekauft werden muss. Aber das wäre dann wohl nicht das Schlimmste.

Das Kapital als Hörspiel

Der "Hörspielpreis der Kriegsblinden" prämiert kluge, anspruchsvolle und schräge Hörwunder. Nun wurde der Preis an die Gruppe „ Rimini Protokoll “ vergeben, die einen Klassiker vertont haben: "Das Kapital.", Band 1 von Karl Marx.

Die Jury begründete ihre Entscheidung: "Im Hör­spiel (...) erforschen Helgard Haug und Daniel Wetzel, wo in der Gesellschaft dieses Buch, das jeder kennt und kaum einer gelesen hat, seine Spuren hinterlassen hat. Menschen setzen ihr Leben in Beziehung zu dem Werk. Der eine hat es gründlich studiert, die andere damit geheizt. Ein Wissenschaftler, ein blin­der Plattensammler, ein früherer Maoist, ein Gewerkschafter, eine Prostituierte und andere erzählen von Habenwollen und Spielsucht, Anlagebetrug, von Menschen als Ware, Fetischen, vom Arbeitsalltag, vom Marxwein aus Trier, von Neokapitalismus und alter Ausbeutung."

Der Deutschlandfunk sendet das Hörspiel am 6. Mai um 20:10 Uhr.

Begriffsabrüstung 3: Management

Es gab Zeiten, da gab es nur Leute, die was zu sagen hatten und solche, bei denen das nicht der Fall war. Die einen hießen - nein, falsch: Eigentümer, die anderen waren deren Beschäftigte, die nicht viel zu sagen hatten. Aus, basta. Dann wuchsen die Unternehmen, und die Eigentümer holten sich Helfer auf die Kommandobrücke - das Management war geboren und übernahm nun auch echte Leitungsfunktionen. Irgendwann gingen mancherorts auch die Eigentümer. Stattdessen kamen die Aktionäre, die fortan das Management einsetzten. Dieses steuerte nun Unternehmen, die weder ihm selbst noch einem ihrer Auftraggeber wirklich gehörten. So vermehrte sich seine Macht, und damit wuchsen auch das Prestige der Position und der Glanz des Wortes. Vom Abglanz nun wollten alle etwas abbekommen, und pfiffige Personal-"Manager" schafften es, die Illusion zu transportieren: Vom Content-"Manager" bis zum Facility-"Manager". Was nicht blieb, waren allerdings die Tätigkeitsinhalte. Der eine ist immer noch ein Redakteur - mit der Einschränkung, dass die Texte nun auch zur Webung passen müssen. Und der andere feiert seine Sternstunden nach wie vor mit der Wasserpumpenzange in der Hand bei Rohrbruch. Wen der billige Trick ganz schlimm trifft, schuftet für den tollen "job title" in unterbezahlter Position, gegängelt von anderen "Managern". Da lobt man sich das Wort "Führungskraft", das neben dem schönen Schein wenigstens auch den Anspruch vermittelt - und sich schon deshalb nicht zum inflationären Gebrauch eignet!
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