Wissensgesellschaft
Darf ich vorstellen? Europas Wissenschaft
1. Oktober 2008 - 1:40 | Autor: Claudia Gerhardt | Typ: Berichte
"Sachbücher klären nicht auf, sie klären den Leser ab"
1. Oktober 2007 - 9:45 | Autor: Christiane Zehrer | Typ: Berichte
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Arnim Regenbogen hat eine Chronik der philosophischen Werke verfasst, die Einsichten in unbekannte Bezüge verspricht, jedoch vor allem eines belegt: Querverbindungen entstehen im Kopf.
Lärm kann krank machen. Das gilt nicht nur für die Ohren. Besonders Kopfarbeiter, die sich stark konzentrieren müssen, sind auf ein ruhiges Umfeld angewiesen. Leider stehen die Chancen dafür in unserer Wissensgesellschaft schlecht.
Der Kölner Rhetorik-Trainer Peter Sprong hat einen ungewöhnlichen Ratgeber geschrieben. Statt die üblichen methodischen Kniffe zu verkaufen, lotet er das (typisch deutsche) Unbehagen an der öffentlichen Rede aus und schickt seine Leser auf die Reise zu den Quellen von Scham und Schuld.
Der Philosophieprofessor Alfons Reckermann hat eine dreibändige Einführung in den Gedankenkosmos der Antike vorgelegt, die das Prädikat ‚Bildungsreise‘ verdient.
Kommilitonen werden „Mitschüler“ genannt, die Universität auch manchmal „Schule“: Das Durchschnittsalter in den Masterstudiengängen sinkt. Dass die Beschleunigung des Studiums ungute Folgen hat, zeigt sich inzwischen deutlich.
„Publish or perish“ – Die Hamburger Körber-Stiftung diskutierte mit Experten und Betroffenen kontrovers über den Publikationszwang in der Wissenschaft.
Der Hamburger Felix Meiner-Verlag hat seine Enzyklopädie Philosophie inhaltlich und optisch gründlich überarbeitet und beweist damit verlegerischen Mut wider den digitalen Zeitgeist.
Seit Humboldt ist die deutsche Universität im Besitz der Professorenschaft. Ihre Fixierung auf Fachwissen erzeugt die Verschulung und Überfrachtung der BA-Studiengänge – nicht Bologna. Raum für Kreativität und problembasierte, aktivierende Projekte wäre die Lösung.
Von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen unterhalten die Vereinten Nationen
in Tokio eine Weltuniversität. In einem weiteren Kapitel aus „Mekkas der Moderne“
trifft Hilmar Schmundt auf deren Rektor und dessen Berater.
Gibt es so
etwas wie Mekkas der Moderne? Bekannte Schriftsteller, Forscher und
Journalisten haben sich auf die Suche gemacht und ein Buch geschrieben,
das zu einer Lesereise zu 76 Pilgeorten der Wissenschaft einlädt. Das
Aspen Center for Physics in Colorado ist eines dieser Mekkas, an
denen noch die Muse küsst, fernab von hochschulpolitischer Bürokratie.
Um
die Philosophie ist es an den Universitäten schlecht bestellt. Die akademischen
Philosophen von heute eifern nicht mehr den existentiellen Fragen des Lebens
nach, sondern ECTS-Punkten und Drittmitteln. Die Ökonomisierung der Universitäten
macht der wirklichen Sinnsuche den Garaus.
Fünf
Tage lang war Barcelona im Juli Schauplatz des „Euroscience Open Forum“. Sciencegarden
hat ein paar Souvenirs vom größten interdisziplinären Treffen der europäischen
Wissenschaft mitgebracht.
Guter
Journalismus ist Mangelware. Gerade in Zeiten informeller Überflutung sind
gewissenhafte Redakteure und gut ausgebildete Journalisten vonnöten. Die von
Gabriel García Márquez ins Leben gerufene Stiftung Nuevo Periodismo
versucht jenseits des Atlantiks journalistische Tugenden zu rehabilitieren und
jungen Reportern das nötige Rüstzeug für steiniges Terrain auf den Weg zu geben.
Stephan
Porombka ist Professor für Literatur und Kulturjournalismus am kulturwissenschaftlichen
Fachbereich der Universität Hildesheim. Sciencegarden sprach mit ihm
über die Illusion der Aufklärung durch Wissenschaftsjournalismus,
den „information flow“ und PR-scheue deutsche Wissenschaftler.
Außer
uns auf methodisch solider Basis mit Erkenntnissen zu versorgen, soll Wissenschaft
heute auch gesellschaftlich relevant sein. Wenn nicht, droht der betreffenden
Disziplin mittelfristig ein Versiegen der Geldquelle. Doch auch die Berücksichtigung
gesellschaftlicher Forderungen hat ihren Preis. Skizze eines Balanceakts.