Umsteigen lohnt sich. Ein Blick auf OpenOffice

OpenOffice.org OpenOffice ist nicht nur eine voll ausgereifte Office-Suite, die auch wissenschaftliche Ansprüche erfüllt, sondern zudem völlig kostenlos.
Wir haben uns deshalb die Alternative zu MS-Office angesehen. Außerdem stellen wir Ihnen drei Handbücher vor, die den Um- und Einstieg erleichtern wollen.

Wenigstens für den Geisteswissenschaftler mag es kaum etwas Langweiligeres geben als Office-Programme. Im dritten nachchristlichen Jahrtausend sind er und seine Kommilitonen aus den Natur- oder Rechtswissenschaften aber auf die Beherrschung elementarer EDV-Techniken ebenso angewiesen wie es seine studierten Ahnen auf Papier und Feder waren.

Was ist Open Source?
Nach Linus Torvald, dem Urvater und Namensgeber des freien Betriebssystems Linux ist Software wie Sex. „Sie ist besser, wenn sie frei ist.“
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Allein die Kosten für kommerzielle Software sind um einiges horrender als für neolithische Füllfederhalter. Mit OpenOffice gibt es jedoch eine nicht nur kostenlose Alternative zum Office-Paket vom Monopolisten Microsoft, sondern auch eine, die sich ohne weiteres mit diesem De-facto-Standard messen lassen kann.
Außerdem läuft OpenOffice auf allen wichtigen Plattformen wie Windows, Macintosh, Linux oder Solaris. Was spricht also gegen einen Umstieg auf die OpenOffice -Suite, der den Geldbeutel des Studenten wie der Privatdozentin zu schonen verspricht?

Spätestens der Examinand will sich beim Verfassen seiner Abschlussarbeit auf sein Schreibprogramm verlassen können und nicht unnötig durch Formatierungsprobleme, fehlerhafte Verzeichnisse und im Orkus verschwundene Fußnoten aufgehalten oder in den Wahnsinn getrieben werden.
Doch keine Sorge: die wachsende Verbreitung bei privaten Anwendern und Firmen bis hin zu öffentlichen Einrichtungen wie etwa der Münchener Stadtverwaltung oder der Französischen Gendarmerie bestätigt, dass OpenOffice.org.2.0 längst allen Kinderkrankheiten entwachsen und technisch mindestens genauso zuverlässig ist wie das kommerzielle Paket von Bill Gates.

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Ein Umstieg auf OpenOffice ist kostenlos, aber nicht umsonst!

Der Funktionsumfang der Software ist nahezu identisch mit jenem von MS-Office 2003 (einige „Features“ bietet das Programm sogar darüber hinaus): Wie MS-Office verfügt OpenOffice über eine Textverarbeitung (Writer), ein Präsentationsmodul (Impress), eine Tabellenkalkulation (Calc), ein vektorbasiertes Zeichenprogramm (Draw) und neuerdings auch eine Datenbank (Base). Die Kompatibilität mit Microsoft-Dokumenten ist weitgehend gewährleistet, auch wenn bei komplexen Dokumenten Formatierungsveränderungen nicht auszuschließen sind. (Aber wer kennt das vom internen Austausch von Dateien verschiedener MS-Office-Versionen nicht?)

OpenOffice basiert auf dem kommerziellen Programm StarOffice von SunMicrosystems. Die Firma entschloss sich, Quelltext Ende der 90er Jahre zur Entwicklung von OpenOffice frei zu geben.
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Paradoxerweise kann OpenOffice sogar beschädigte Dateien oder solche älterer Office-Versionen lesen, die vom neuesten MS-Office nicht erkannt werden. OpenOffice bietet aber nicht nur die Möglichkeit, Dokumente in einer Fülle verschiedener Formate zu speichern, sondern auch, sie direkt als PDF zu exportieren. Dadurch ist der fehlerlose Austausch mit anderen Benutzern und deren Rechnern und Druckern garantiert.

Einige Abstriche muss man dennoch machen: Beispielsweise ist die Rechtschreibprüfung von OpenOffice noch nicht wirklich ausgereift. Sie erkennt keine grammatikalischen oder syntaktischen Fehler (aber auch auf Word kann sich der leidgeprüfte Nutzer diesbezüglich nicht immer verlassen).
Andererseits verfügt OpenOffice standardmäßig über die Installationspakete für Thesaurus, Silbentrennung und Orthographie von mehr als dreißig verschiedenen Sprachen, darunter katalanisch und kurdisch genauso wie aafrikans und zulu.

OpenOffice unterliegt der so genannten Lesser General Public License (LGPL). Das heißt, dass Teile der Software auch in proprietärem Quelltext, also durch Urheberrecht geschützte Software wie StarOffice , verwendet werden darf. Sowohl die freie Entwicklergemeinde als auch Unternehmen können OpenOffice nutzen und verändern.

Es gibt also gute Gründe, sich OpenOffice etwas näher anzusehen. Ist dieser Entschluss erst einmal gefasst, sind Beschaffung und Installation schnell zu bewerkstelligen (siehe Links am Ende des Beitrags).
Die Benutzeroberfläche, die sich dann beim Start des Programms präsentiert, ähnelt seit der generalüberholten 2.0er-Version jener des kommerziellen Office-Pakets so sehr, dass sich die entsprechenden Menüs und die meisten gewünschten Befehle rasch auffinden lassen.
Zumal dem Benutzer auch ein überaus ausführliches Hilfemenü zur Seite steht und ab und an ein Licht aufgeht – in Form einer Glühbirne; dem Gott sei Dank sehr viel dezenteren Pendant zum grässlichen Karl Klammer von Word.

Nicht alle Funktionen, die von Word oder Excel bekannt sind, lassen sich jedoch unter demselben Namen finden. Manchmal geht OpenOffice aber auch einfach andere Wege (ob mehr oder weniger gelungenere, möge jeder selbst entscheiden), um zum selben Ziel zu gelangen.
Wer hier schnellen Rat sucht und sich darüber hinaus auch mit den Finessen des Programms näher bekannt machen will, tut gut daran, weiterführende Literatur zu konsultieren.

Mittlerweile ist bereits ein umfangreiches Handbuch in Arbeit, das zukünftigen Versionen beiliegen wird. Bis dahin ist der Nutzer aber entweder auf die im Internet verfügbaren Tutorials, Foren und (noch recht unvollständige) Benutzerleitfäden oder auf die im Buchhandel erhältliche Literatur angewiesen.

„Wissenschaftliches Arbeiten mit OpenOffice.org.2.0.“ Der Galileo-Computing-Verlag hat gleich eine ganze Palette an Handbüchern in seinem Programm, die in die Arbeit mit OpenOffice einführen sollen.
„Wissenschaftliches Arbeiten mit OpenOffice.org.2.0.“ von Kai Surendorf wendet sich dezidiert an Studierende oder angehende Wissenschaftler, ist dabei aber so grundlegend, dass wohl eher Greenhorns der Textverarbeitung angesprochen sein dürften.
So erklärt das Buch lang und breit, wie sich Dateien öffnen und schließen oder Grafiken einfügen lassen. Man fragt sich während der Lektüre gelegentlich, ob sich heute noch so viele EDV-Analphabeten an den Universitäten finden lassen, die solch grundsätzlicher Erläuterungen bedürfen. Außerdem liegt der Schwerpunkt des Buches eindeutig auf dem Modul „Writer.“ Naturwissenschaftler, die exzessiv mit mathematischen Formeln operieren (Calc) oder ihren Versuchsaufbau skizzieren möchten (Draw), kommen hier eindeutig zu kurz.

Für diese Zielgruppe bietet derselbe Verlag weitere Handbücher an, die sich vertieft der Arbeit mit den einzelnen Modulen widmen. Zwar überzeugen alle Bücher durch ihre übersichtliche Strukturierung, die Behandlung von (allerdings oft etwas zu simplen) Anwendungsbeispielen und einen angenehmen, verständlichen Schreibstil.
Auch ist das Konzept des Verlags begrüßenswert, den Käufern seiner Bücher durch einen persönlichen Zugangscode Zutritt zu einem Update-Bereich im Internet zu gewähren, in dem zusätzliche Informationen verfügbar sind. Nichts ist schließlich so alt wie Computerliteratur von gestern.
Allerdings bleibt abzuwarten, wie die Autoren die bislang noch leeren Seiten füllen werden. Ohnehin wimmelt es im Netz von Foren und Online-Ratgebern zu OpenOffice (siehe Links zum Thema ).

Insgesamt ist aber der Entschluss des Galileo-Computing-Verlags, die einzelnen Office-Komponenten auf mehrere Bücher aufzuteilen, etwas unglücklich. Denn auch wenn sich die Arbeitsschwerpunkte der Office-Nutzer voneinander unterscheiden, ist die übergreifende Nutzung von Draw, Impress oder Writer doch eher die Regel als die Ausnahme.

„OpenOffice.org.2.0“ Bevor man sich also fünf einzelne Bücher ins Regal stellt, ist für die meisten die Anschaffung eines Handbuchs aus dem O'Reilly-Verlag sicherlich die bessere Alternative.
Im Gegensatz zu den kaffeeresistenten Hardcover-Bänden des Galileo-Verlags kommt „OpenOffice.org.2.0“ von Tobias Berndt zwar nur im Taschenbuchumschlag daher, lässt dafür aber kaum eine Frage zum kompletten Office-Paket offen.
Anwender mit fortgeschrittenen EDV-Kenntnissen finden Antwort auch auf komplexere Probleme. In der intelligenten und humorvollen Darstellung wird kaum ein Thema ausgelassen: von der Arbeit mit Globaldokumenten und Feldbefehlen über die Vektorisierung von Pixel-Bildern bis hin zur Erstellung eigener kleiner Animationen für das nächste Mulitmedia-Referat oder einer komplizierteren Rechnung in Calc (der Tabellenkalkulation), die über das Niveau eines Einkaufszettels hinausgeht.

Dabei ist vor allem lobenswert, dass der Autor es nicht bei der rein technischen Instruktion belässt, sondern auch inhaltliche Überlegungen anstellt. Ein ausgewogener Einsatz von Spezialeffekten in Impress wird genauso thematisiert wie Grundlegendes über Typographie und Layout. Auch der Laie weiß danach, was „Schusterjungen“ und „Hurensöhne“ wirklich sind.

Allen genannten Büchern liegt eine CD mit der nötigen Installationssoftware von OpenOffice sowie weiterer nützlicher und manchmal auch weniger nützlicher Programme bei.
Wer allerdings über eine Flatrate verfügt, sollte sich ruhig die gewünschten Komponenten in ihrer aktuellsten Version aus dem Internet herunterladen. OpenOffice findet sich dort bereits in der Version 2.0.1.

Beitrag von Joachim Jachnow.

Links zum Thema

Zur Person

Joachim Jachnow schrieb seine Magisterarbeit in Neuerer Geschichte mit OpenOffice .

Literatur

  • Tobias Berndt (2005): OpenOffice.org 2.0. Köln.
  • Kai Surendorf (2005): Wissenschaftliche Arbeiten mit OpenOffice.org. 2.0. Bonn.
  • Jacqueline Rahemipour (2005): Textverarbeitung mit OpenOffice.org. 2.0. Bonn.

Kategorien

Themen: Informatik
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