Austausch im Wandel

Freundeskreis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes Der Freundeskreis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes feierte unlängst sein 25jähriges Jubiläum. Gemeinsam mit den Auslandsämtern der Universitäten will er ausländischen Studenten das Leben in Deutschland erleichtern. Dabei gibt es zwar zahlreiche Erfolge zu verbuchen, doch immer noch allerhand zu tun.

Dimitri Petkov*, der Gastwissenschaftler aus Russland, ist im wahrsten Sinne des Wortes sitzengelassen worden: und zwar nach einer endlosen Zugfahrt am Bahnhof. Nach stundenlangem Warten, nachdem kein Vertreter der einladenden Universität erschienen ist, machte sich der Wissenschaftler allein auf die Suche nach einer Unterkunft. Studenten, die er zufällig trifft, helfen ihm weiter. Erst Tage später wundert man sich an der gastgebenden Fakultät über den Verbleib des Gastes. Nach angestrengter Suche findet man ihn schließlich munter und fidel im Studentenwohnheim.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist eine Gemeinschaftseinrichtung der deutschen Hochschulen zur Pflege ihrer internationalen Beziehungen.
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Die Anekdote mag in ihrer Pointe übertrieben wirken. Dabei bringt sie auf den Punkt, was nicht recht ins Bild von Exzellenzinitiativen und Internationalisierung der deutschen Hochschullandschaft passt: Um die Betreuung ausländischer Wissenschaftler und Studenten in Deutschland könnte es besser bestellt sein.

Nicht selten sind akademische Besucher auf sich allein gestellt und stehen vor bürokratischen Hürden, in einem kulturell und sprachlich ohnehin schon fremden Umfeld. Neben dem Engagement einzelner studentischer Gruppen und dem Angebot der Auslandsämter macht es sich daher der Freundeskreis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zum Ziel, die Betreuung wenigstens eines Teil der akademischen Besucher, die Jahr für Jahr zu uns kommen, zu verbessern.

DAAD-Stipendiaten

Nicht immer geht es so hoch hinaus: Ein Alumnus lädt die Münchener DAAD-Stipendiaten zum Alpenrundflug

Im Rahmen seiner letztjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten blickte der vor 25 Jahren gegründete Freundeskreis (oder genauer: die Vereinigung Ehemaliger und Freunde des Deutschen und Akademischen Austauschdienstes e.V. ) auf seine bisherigen Erfolge zurück und attestierte den deutschen Hochschulen weiteren Handlungsbedarf.

Seit 1981 versammeln sich im Freundeskreis ehemalige Stipendiaten des DAAD , die oft aus eigener Erfahrung wissen, was es heißt, sich in der Fremde allein zurechtfinden zu müssen. Das Stipendium, das der DAAD seinen Stipendiaten zahlt, ist schließlich längst nicht alles. Denn nur derjenige, dem es gelingt, sich schnell in einem unbekannten Universitätssystem zurechtzufinden, kann auch erfolgreich studieren und forschen. Außerdem soll der Aufenthalt nicht auf den akademischen Erfolg allein beschränkt sein, sondern auch dem kulturellen Austausch zu Gute kommen.

Alumni, die selbst im Freundeskreis aktiv werden oder eventuell auch eine Regionalgruppe gründen wollen, können sich bei der Geschäftsführung in Bonn oder auch bei den Ansprechpartnern vor Ort melden.
E-Mail:

Genau das versucht der Freundeskreis für die rund 30.000 ausländischen Akademiker – Studenten, Forschern und Gastdozenten – zu erreichen, die jährlich mit einer Förderung des DAAD zu Gast in Deutschland sind. Mehr als 1.300 Alumni, die sich in über 30 regionalen Ortsgruppen organisieren, sind mittlerweile für den Freundeskreis aktiv. Sie organisieren Literaturabende, helfen bei Behördengängen und anderen bürokratischen Lästigkeiten, sie unterstützen die Uni-Gäste bei der Wohnungssuche oder beim Zugang zu benötigter Fachliteratur und bauen so den DAAD -Stipendiaten Brücken ins alltägliche Leben in der ungewohnten Umgebung. Exkursionen, Konzert- oder Museumsbesuche, Podiumsdiskussionen, Kochabende und nicht zuletzt die regelmäßigen Treffen deutscher und ausländischer Stipendiaten zum Stammtisch runden das Programm ab. Dadurch wird den Stipendiaten ein umfassenderes Deutschlandbild vermittelt und der Auslandsaufenthalt zum echten Kulturaustausch. Und Alumni wie Stipendiaten knüpfen über Fächergrenzen hinweg internationale Kontakte.

Semesterempfang der Münchener Stipendiaten

Semesterempfang der Münchener Stipendiaten

Auch dafür, dass solche Kontakte von Dauer sind und der wissenschaftlichen Vernetzung dienen, setzt sich der Freundeskreis ein. So wurde 2003 das sogenannte Study Visit Program ins Leben gerufen. Diesem Programm steht ein Fond zur Verfügung, aus dem der gegenseitige Besuch von deutschen und ausländischen Wissenschaftlern zum akademischen Austausch und zu Forschungszwecken finanziell unterstützt werden kann.

Doch wie jeder gemeinnützige Verein leidet auch der DAAD-Freundeskreis an der Schnelllebigkeit und Unstetigkeit des modernen Lebens. Nicht alle der jüngeren Alumni sind bereit oder überhaupt in der Lage, sich langfristig an einem Ort zu engagieren. Erst später, wenn sie im Beruf einigermaßen verankert sind, wollen die meisten Stipendiaten etwas zurückgeben. Die Organisation, die Vernetzung der einzelnen Gruppen und der Informationsaustausch durch das Internet haben die Arbeit allerdings in den letzten Jahren deutlich vereinfacht. Auch das Wachstum des Freundeskreises und das Entstehen von Regionalgruppen machte mit der Verbreitung des Internet seit Mitte der neunziger Jahre einen gewaltigen Sprung. Ausländische Stipendiaten können nun schon vor Semesterbeginn gezielt angeschrieben und zu Veranstaltungen der Freundeskreisgruppen eingeladen werden.

Strandausflug

Eine frische Brise im wissenschaftlichen Austausch

Dabei sind es nicht ausschließlich altruistische Motive, die den ein oder anderen Alumnus zu einem Engagement im Freundeskreis bewegen. Der Freundeskreis hat schließlich einige Pfunde, mit denen er wuchern kann. So bietet das Netzwerk der Ehemaligen eine interessante und wertvolle Kontaktbörse. Wer internationale Bekanntschaften machen und private wie wissenschaftliche Freundschaften schließen möchte, kann in Deutschland kaum auf ein ähnlich großes Netz von Akademikern aus aller Welt zurückgreifen. Schließlich lädt der DAAD seine Stipendiaten von Brasilien bis Japan, von Südafrika bis Island zu Studium und Forschung nach Deutschland ein.
Der DAAD verspricht sich dadurch getreu seinem Motto einen „Wandel durch Austausch“. Sein Freundeskreis versucht, diesen Austausch zum Besten zu wandeln.

*Name von der Redaktion geändert

Beitrag von Joachim Jachnow

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Joachim Jachnow ist Redakteur dieses Magazins.

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