Aufklärungshilfe

Immanuel Kant ist auch 275 Jahre nach seiner Geburt so aktuell wie eh und je. Allerdings ist der Königsberger Meisterdenker nicht ganz einfach zu verstehen. Wie also mit der Kant-Lektüre beginnen? Und mit welcher Ausgabe? sciencegarden hat die Vor- und Nachteile von vier maßgeblichen Kant-Editionen getestet und mit namhaften Experten gesprochen.

„Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen [...], dennoch gern zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja selbst nicht zu bemühen.“

Als überaus mühselig und quälend gilt einem hartnäckigen Vorurteil zufolge bis heute die Lektüre jenes Gelehrten, der sich im Dezember 1784 in einem Aufsatz mit dem programmatischen Titel Was ist Aufklärung? so entschieden über die Faulheit seiner Zeitgenossen beklagt: Immanuel Kant, geboren am 22. April in Königsberg, der heutigen russischen Exklave Kaliningrad, und gestorben ebendort am 12. Februar 1804. Die Zahl seiner Lektüreopfer ist Legion. Robert Musil hat ihnen in seinem ersten Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törleß ein Denkmal gesetzt. Wie Generationen vor und nach ihm scheitert Musils Internatsschüler am ostpreußischen Meisterdenker, von dem es auch heißt, ein Philosophiestudium ohne ihn sei kein Philosophiestudium. Der arme Törleß aber versteht vor lauter Klammern und Fußnoten schon auf den ersten Seiten Kant bald kein Wort mehr, „und wenn er gewissenhaft mit den Augen den Sätzen folgte, war ihm, als drehe eine alte, knöcherne Hand ihm das Gehirn in Schraubenwindungen aus dem Kopfe.“

Otfried Höffe
Otfried Höffe

Otfried Höffe, Philosophieprofessor aus Tübingen und Autor weit beachteter Einführungen und Monographien zu Kant, teilt diese Erfahrung nicht: „Unter Voraussetzung einer ,Anstrengung des Begriffs‘ ist der Königsberger keineswegs schwer zugänglich. Er schreibt ein schönes Ciceronisches Deutsch.“ Dem Geist des blutigen Anfängers mag dieser Vorzug erst nach längerer Anstrengung des Begriffs aufscheinen. Im Vordergrund steht für ihn zunächst die Frage: Wie beginnen? „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ hört man den Meister höchstselbst sagen. Fort mit der Sekundärliteratur und ran an die gesammelten Werke! Das empfiehlt auch der Bonner Philosoph Cord Friebe: „Ich halte nichts von den zahlreichen Einführungsbüchern zu Leben und Werk, da man unmittelbar nach einer solchen Lektüre außer ein paar Slogans alles wieder vergessen hat.“ Wohl wahr.

Warum überhaupt (noch) Kant?

Marcus Willaschek
Marcus Willaschek

Aber warum heute überhaupt noch Kant lesen? Ist er nicht längst ein „toter Hund“? So spottete man einst über den viel geschmähten Karl Marx, der in der aktuellen Wirtschaftskrise wieder so en vogue ist wie seit 1968 nicht mehr. Was aber hat Kant, der zeitlebens nicht über Königsberg hinausgekommen ist, noch mit unserer globalisierten Moderne zu schaffen?
Marcus Willaschek widerspricht vehement: „Mir scheint die Voraussetzung nicht ganz zuzutreffen, dass das 18. Jahrhundert von unserer globalen Welt weit entfernt ist. In der Schrift Zum ewigen Frieden und auch schon in der Idee zu einer allgemeinen Geschichte betont Kant die wechselseitige Abhängigkeit aller Länder der Erde durch Handel und Reisen. Er ist sozusagen der erste Theoretiker der Globalisierung!“ Willaschek findet auch andere Thesen und Argumente Kants „immer noch aktuell“, zum Beispiel seinen Begriff der Menschenwürde und der Autonomie, seine Konzeption der Selbstkritik der Vernunft, seine Überlegungen zu einer Weltfriedensordnung – alles Punkte, die auch außerhalb des Faches Philosophie relevant sind. Und natürlich, so fügt Willaschek hinzu, müsse man sich als Philosoph mit Kant nicht zuletzt deshalb auseinandersetzen, weil man selbst dort, wo man nicht mit Kant übereinstimme, so viel von ihm lernen könne. „Er war eben einer der wenigen ganz großen Denker, die höchste Originalität und Eigenständigkeit mit radikaler Gründlichkeit des Denkens und Argumentierens verbinden.“

Cord Friebe
Cord Friebe

Cord Friebe sieht das ähnlich. Philosophische Probleme hätten es an sich, dass sie besser zu verstehen seien, wenn man ihre Vorgeschichte kenne, sagt der Bonner Philosophie-Dozent. „Deshalb sollte man grundsätzlich einmal Klassiker studiert haben.“ Zeitgemäß sei ein Klassiker darüber hinaus aber nur dann, wenn man mit ihm auch aktuelle Debatten bereichern könne. Man müsse die Aktualität Kants daher anhand spezieller Probleme vorführen. Unstrittig sei seine Bedeutung für viele ethische Diskussionen.

Auch Ottfried Höffe sieht zwischen Kants Welt und uns keine große Lücke klaffen. So liefere Kant wichtige Stichworte für eine moderne, aufgeklärte Auffassung von Globalisierung, die von einer kosmopolitischen Grundhaltung geprägt ist. Auch seine Gedanken zur Unantastbarkeit der Menschenwürde und den Pflichten des Menschen gegen sich selbst, seine Überlegungen zu einer globalen Rechts- und Friedensordnung und seine moderne Variante der Subjektphilosophie mit einer urteilenden Vernunft im Zentrum seien höchst aktuell, so Höffe. „Kant hat uns sogar noch vieles mehr zu sagen, zum Beispiel mit seinem facettenreichen Begriff des Schönen im Vergleich zum Angenehmen und zum Guten, oder dass die Menschheit sich vor allem um den Rechtsfortschritt sorgen sollte, oder dass man nicht in einem Jahrhundert des Bösen leben und selbst als kritische Theorie dessen philosophische Reflexion verdrängen darf...“, zählt Höffe begeistert auf. „Kurz: Es ist schwierig, Grundthemen und Grundaufgaben unserer Zeit zu finden, zu denen ein zum Sprechen gebrachter Kant nicht Wesentliches zu sagen hätte.“

Die bestechendste Antwort auf die Frage, warum man Kant heute noch lesen soll gibt – natürlich – Kant selbst: „Ein Mensch kann zwar für seine Person und auch alsdann nur auf einige Zeit in dem, was ihm zu wissen obliegt, die Aufklärung aufschieben; aber auf sie Verzicht tun, es sei für seine Person, mehr aber noch für die Nachkommenschaft, heißt die heiligen Rechte der Menschheit zu verletzen und mit Füßen zu treten.“ Gut 200 Jahre nach Kants Tod am 12. Februar 1804 leben wir immer noch nicht in einem wirklich aufgeklärten Zeitalter, vielleicht nicht einmal mehr in einem Zeitalter der Aufklärung, wie Kant seinerzeit behauptete. Sehr wohl aber in einem Jahrhundert, das seinen Kant nötiger hat denn je. Dafür lohnt sich die Mühe, auch wenn wir uns dabei manchmal fühlen, als drehte uns eine knöcherne Hand das Gehirn aus dem Schädel. Doch wer sich ausführlicher mit Kants Antworten auf die drei berühmten Fragen befassen will, die er am Ende seiner Kritik der reinen Vernunft formuliert – „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?“ – steht dann gleich vor dem nächsten Problem: Womit beginnen? Und zuerst: Welche Ausgabe soll ich kaufen?

Der Standard: die Akademie-Ausgabe

Wie für viele seiner Kollegen, so gilt auch für Kant: die Autorenrechte sind abgelaufen, drucken kann ihn jeder – zitiert wird aber häufig nach einer bestimmten oder gleich mehreren Standardausgabe(n). In diesem Fall meist nach der so genannten „Akademie-Ausgabe“ (AA). Initiiert und seit 1902 im Auftrag der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften (heute von ihrer Nach-Nachfolgerin, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zunächst herausgegeben von Wilhelm Dilthey, selbst Philosoph und Kant-Kenner von Rang, ist die Akademie-Ausgabe mit vier Abteilungen zum Referenztext der Kant-Forschung weltweit geworden. (Die Information ist für Fachkreise wesentlich) Eine kurze Übersicht zur Geschichte der „AA“ findet sich hier . Viele andere Ausgaben drucken die Seitenzahlen der Akademie-Ausgabe (oder aber der Erstauflagen) mit ab.
Eine um die Briefe, Vorlesungen und den Nachlass abgespeckte Paperback-Version der „AA“ ist im de Gruyter -Verlag erhältlich. Sie umfasst den vollständigen photomechanischen Abdruck der Texte von Kants Gesammelten Schriften, Erste Abteilung, Kants Werke (Bd. I-IX) , und enthält alle zu Kants Lebzeiten veröffentlichte Werke. Lesarten, sachliche Erläuterungen und die Bemerkungen zur Orthographie, Interpunktion und Sprache aus der „AA“ sind nicht mitabgedruckt, pro Band aber immerhin ein kurzes Nachwort, das auf thematische Querverbindungen hinweist und die Orientierung innerhalb der gesamten Akademie-Ausgabe erleichtern soll. Dafür muss man sich erst einmal an die Frakturschrift gewöhnen. Nicht nur Erstsemestern, die mit den altertümlichen Schriftzeichen von Haus aus kaum mehr in Berührung gekommen sind, dürfte dieser Umstand den Kauf eher verleiden, obwohl man sich mit zunehmender Übung gut daran gewöhnt. Letztlich ist er nicht nur kein Hinderungsgrund, sondern trägt sogar noch zur Steigerung des Lesevergnügens bei, indem er den Lesefluss verlangsamt, aber die Aufmerksamkeit erhöht – das pure Gegenteil flüchtiger Bildschirmlektüre. Leider ist die Komplettkassette mit allen neun Bänden nicht mehr als Ganze lieferbar. Doch die Einzelausgaben werden zu erschwinglichen Preisen von 13 bis 19 Euro weiterhin nachgedruckt und sind laut Verlagsauskunft auch in Zukunft erhältlich. Alles andere wäre bei dieser Ausgabe, die quer zur grassierenden Unsitte steht, mit Büchern vor allem kurzfristig Mehrwert zu machen, auch nicht vorstellbar. Im Gegenteil: Der Verlag plant für die nähere Zukunft eine Paperbackversion der kompletten „AA“.

Klassisch grün: Kant bei Meiner

Der Felix Meiner-Verlag wurde 1911 von Dr. Felix Meiner (1883-1965) in Leipzig gegründet und übernahm die bereits 1868 ins Leben gerufene „Philosophische Bibliothek“ (PhB).
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„Wer sich intensiv mit Kant beschäftigen will, kommt an der Akademie-Ausgabe nicht vorbei“, sagt Marcus Willaschek, Professor für Philosophie in Frankfurt und international anerkannter Kant-Experte. Für den kleinen Geldbeutel dürften es aber auch die gelben Reclam-Bändchen aus Stuttgart sein, fügt er hinzu. Bei Professoren und Studenten gleichermaßen beliebt und angesehen sind die lindgrünen Bände des traditionsreichen Felix Meiner-Verlags aus Hamburg, der mit seiner Philosophischen Bibliothek wie kein zweiter in Deutschland für hochwertige, aber preisgünstige Studienausgaben von Geistesgrößen steht. Bei ihm sind insgesamt 17 Kant-Titel in Einzelausgaben lieferbar, dazu gibt es seit knapp einem Jahr die drei Kritiken Kants, die Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik – eine Einführung in Kants Theoretische Philosophie von Kant selbst – und die Aufsatzsammlung Was ist Aufklärung? zusätzlich als E-Book.

Die Meiner-Bücher sind durchweg mit instruktiven Vorworten der Herausgeber, teilweise sogar längeren Einführungen, Registern und Bibliographien ausgestattet. Für den Anfänger mögen sie das Kantische Labyrinth nicht immer erhellen. Manche philologische Feinheit verwirrt mehr, als das sie zur beherzten Lektüre ermuntert, und ist vor allem für Fortgeschrittene von Bedeutung. Der gebotene Text aber bewegt sich in der Regel auf einem bemerkenswert hohen Editionsniveau, das gerade dem Einsteiger zugute kommt. Wenn man, wie Kant-Editor Jens Timmermann meint, Kants Fachbegriffe „wie die Vokabeln einer Fremdsprache“ lernen muss, hat gerade die Philosophische Bibliothek exzellente Wörterbücher im Angebot. So sind etwa die drei Kritiken Kants erst in den letzten Jahren völlig neu herausgegeben worden. Die Kritik der reinen Vernunft , die auch in der großen Akademie-Ausgabe neu ediert werden soll, umfasst auf beinahe 1000 Seiten beide Auflagen (von 1781 und 1787) und bietet einen verbesserten, das heißt präziseren, näher am Original befindlichen Lesetext, der sich gegen „sinnverändernde Modernisierungen“ wendet, wie der Herausgeber Timmermann sie der „AA“ unterstellt. (Timmermann ist nun allerdings auch für die Neuedition von Kants Hauptwerk in der „AA“ in diesem Jahr verantwortlich. Außerdem verfügt der Band, den es für rund 15 Euro als Taschenbuch und für zehn Euro mehr auch gebunden gibt, über ein hilfreiches und ausführliches Sachregister. Zu den Mustereditionen bei Meiner gehört unter anderem auch die 2004 herausgebrachte Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft , Kants Versuch, die Frage „Was darf ich hoffen?“ zu beantworten. Die Neuausgabe enthält außer dem Text (nach der B-Auflage von 1749) einen Nachweis zeitgeschichtlicher Bezüge, bietet Informationen zur Textgeschichte, zum Zensurstreit und zur zeitgenössischen Rezeption sowie – erstmals – ein umfangreiches Register der von Kant direkt und indirekt zitierten Bibelstellen – jede Menge Handreichung für eine Studienausgabe.
Hier wie in vielen anderen Fällen gilt: Wer sich Kant schrittweise und in Einzelausgaben nähern will, sollte zu Meiner greifen.

Kommentar satt: Kant bei Suhrkamp

Freunde von Buchkassetten haben die freie Wahl: Neben dem Reprint der Werke aus der Akademie-Ausgabe bei de Gruyter hat auch der Suhrkamp -Verlag eine von Wilhelm Weischedel herausgegebene Taschenbuch-Werkausgabe im Programm. Sie kostet im Schuber 135 Euro, alle zwölf Bände sind aber auch einzeln erhältlich. Außerdem gibt es die drei Kritiken Kants als Sonderausgabe für 25 Euro. Für ein intensives Studium besonders empfehlenswert sind die jeweils dreibändigen Editionen Theoretische Philosophie , darin unter anderem die Kritik der reinen Vernunft und die Prolegomena , für 45 Euro und Schriften zur Ästhetik und Naturphilosophie (39, 50 Euro), die neben einer ganzen Reihe kleinerer Werke die Metaphysischen Anfangsgründe der Naturwissenschaft und die Kritik der Urteilskraft in einer nach neuesten Forschungsergebnissen behutsam überarbeiteten Textgestalt umfassen, die Seitenzahlen der „AA“ sind am Rand vermerkt. Das Besondere an den beiden Buchpaketen ist jedoch der einzigartige Kommentarband. Er erläutert für alle wiedergegebenen Texte deren Entstehungsgeschichte, bietet einen Stellenkommentar mit Übersetzungen fremdsprachiger Zitate und Sachaufklärungen, und – als Kernstück – eine umfassende Deutung, die „so neutral wie möglich und so umfassend wie nötig über den Stand der fortgeschrittensten Interpretation berichtet“. Die Interpretationshilfe ist durchaus anspruchsvoll und pointiert geschrieben, aber mit zahlreichen konkreten Beispielen durchsetzt und daher auch für Kant-Einsteiger bekömmlich. Zeittafel und Bibliographie machen den Kommentarband rund und für das Studium wertvoll.

Kant für Bibliophile: die Kassette der WBG

Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft ist ein wirtschaftlich eigenständiger und unabhängiger Verein mit inzwischen 140.000 Mitgliedern weltweit.
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Wer geistig anspruchsvolle Lektüre in ästhetisch ansprechender Aufmachung schätzt, dürfte an der rotleinernen Schmuckausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft aus Darmstadt seine Freude haben. Auch Ottfried Höffe hat sie neben der „AA“ im Regal stehen – und das nicht allein wegen ihrer aparten Erscheinung. Denn die sechs Bände inklusive einem Nachdruck des Wörterbuchs zum leichtern Gebrauch der Kantischen Schriften von Carl Christian Erhard Schmid (letzteres als Reprint) sehen nicht bloß gut aus, sie enthalten auch fast alle zu Lebzeiten Kants veröffentlichten Schriften, zum Beispiel auch die bedeutende kleine Abhandlung Über Pädagogik , die weder bei Meiner noch im Reclam-Verlag in Einzelausgaben erhältlich ist.

Wer auf die unverzichtbare Akademie-Ausgabe in öffentlichen Bibliotheken zurückgreift und mit der Frakturschrift der de Gruyter -Ausgabe nicht zurecht kommt, für den Hausgebrauch aber trotzdem möglichst viel Kant auf einen Schlag für wenig Geld erwerben möchte, macht mit der WBG-Kassette alles richtig. Die sechs Bände geben Kants Schriften nach den Originaldrucken wieder, behutsam modernisiert, aber ohne grundsätzliche Eingriffe an Lautstand, Flexion, Wortbildung etc. Leider ist die Ausgabe momentan vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich. Der Verlag entscheidet in Kürze über eine Neuauflage.

Einstiegshilfen

Nach dem Kauf ist vor dem Kauf. Womit also beginnen? Es empfiehlt sich vor dem Sprung ins kalte Wasser der Einstieg über eine Biographie. Seit Kants Geburtstagsjubiläum vor fünf Jahren gibt es eine ganze Reihe davon auf dem Markt. Die meisten von ihnen bieten einen guten Einblick in Leben und Werk des „kleinen Manelchen“, wie Kants früh verstorbene Mutter ihren Sprößling mit dem großen Geist nannte. Empfehlenswert ist Manfred Geiers Buch mit dem etwas merkwürdigen Titel Kants Welt , das flüssig geschrieben ist, dabei jedoch Kants geistige Entwicklung präzise nachzeichnet und auch höheren Ansprüchen gerecht wird. Es ist als Taschenbuch und antiquarisch als Hardcover erhältlich. Marcus Willaschek empfiehlt die dickleibige Lebenserzählung von Manfred Kühn – und das Einführungsbuch seines Kollegen Otfried Höffe. Der wiederum legt zukünftigen Kant-Lesern Kantsche Schriften nahe: Zuerst die Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? – „und danach die beiden Vorreden und die Einleitung der Kritik der reinen Vernunft “. Der Sekundärliteratur-Skeptiker Cord Friebe empfiehlt ebenfalls, sich an die Kant-Einführungen zu halten, die der Meister selbst verfasst hat: die Prolegomena zu seiner Theoretischen Philosophie und die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten zur Moralphilosophie. „Damit würde ich starten“, so Friebe. Sein Kollege Marcus Willaschek aus Frankfurt verweist zusätzlich auf Kants Preisschrift über die Fortschritte der Metaphysik ( Über die von der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin für das Jahr 1791 ausgesetzte Preisfrage: Welches sind die wirklichen Fortschritte, die die Metaphysik seit Leibnizens und Wolffs Zeiten in Deutschland gemacht hat? , enthalten zum Beispiel in Band 3 der WBG-Ausgabe, S. 583-676) und die Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht , die im schmalen Meiner-Bändchen Was ist Aufklärung? enthalten ist.

Beitrag von Christian Dries
Bildquellen in Reihenfolge: gemeinfrei; Otfried Höffe; Marcus Willaschek; Cord Friebe; gemeinfrei; Felix Meiner-Verlag; Suhrkamp-Verlag; Wissenschaftliche Buchgesellschaft; gemeinfrei

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Zur Person

Christian Dries ist Redakteur von sciencegarden .

Literatur

  • Jean-Baptiste Botul (2001): Das sexuelle Leben des Immanuel Kant. Leipzig, 93 S., antiquarisch ab 15 Cent.
  • Manfred Geier (2005): Kants Welt. Eine Biographie. Reinbek bei Hamburg, 349 S., 9,90 Euro.
  • Volker Gerhardt (2002): Immanuel Kant. Vernunft und Leben. Ditzingen, 320 S., 9 Euro.
  • Otfried Höffe (2007): Immanuel Kant, 7. Auflage. München, 347 S., 14, 90 Euro.
  • Otfried Höffe: Kants Kritik der reinen Vernunft. Die Grundlegungen der modernen Philosophie. Mehrere Auflagen. München, 378 S., gebraucht ab 14 Euro.
  • Jens Johler (2009): Kritik der mörderischen Vernunft. Berlin, 539 S., 9,95 Euro.
  • Manfred Kühn (2007): Kant. Eine Biographie. München, 639 S., 15 Euro.

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Themen: Philosophie
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