Juli 2005

Lebensfaden zum Anfassen

*In jeder Zelle stecken zwei Meter Instruktionen fürs Leben. DNS. Ein riesiger Faden, unsichtbar, unfassbar. Eigentlich. Es sei denn, man begibt sich ins Gläserne Labor. Hier wird selbst das Unsichtbare sichtbar und das Unfassbare fassbar gemacht.

Hier, auf dem Campus Berlin-Buch hat Ulrich Scheller in einem schnuckeligen, von Bäumen umrahmten Häuschen ein High-Tech-Labor eingerichtet, das jeder besuchen kann. Es gibt viele solcher offenen Labore in Deutschland (s. Linkliste). „Hauptsächlich kommen Schulklassen zu uns, aber wir hatten auch schon Familien. Kinder, Lehrer, Eltern – eigentlich sind alle begeistert, wenn sie mal ihre eigene DNS sehen können.“

*
Etwa zwanzig Schüler haben im Gläsernen Labor Platz.
Fotos (4): Gläsernes Labor

Und dazu bedarf es erstaunlich wenig: Ein steriles Wattestäbchen, dann Mund auf (am besten vorher spülen, damit nicht die DNS des Frühstücksbrotes eingefangen wird), und schließlich einige Male mit dem Stäbchen an der Innenseite der Wange lang streichen – schon kleben genug Zellen mit darin den Lebensfaden in der Watte.

Schritt zwei. Das Wattestäbchen wird in einer Spezialflüssigkeit gewaschen, die Zellen lösen und öffnen sich, die DNS schwimmt herum. Jetzt kommt das Ganze auf einen winzigen Schwamm, in dem die DNS hängen bleibt. Der Schwamm wird ausgewaschen und voilà, da sind ein paar Tropfen – unscheinbar, aber sie enthalten das eigene Erbgut.

*
Die Schüler lernen den Umgang mit der Pipette

Nun soll es, Schritt drei, leuchten. Dazu kommt die DNS auf ein Gel. Fühlt sich an wie ein Wackelpudding, ist nur ein bisschen fester und schmeckt auch nicht so gut. In dem Gel ist ein Farbstoff, der die DNS, mit Hilfe einer UV-Lampe, zum Leuchten bringt. Wer will, kann den Rest der Flüssigkeit mit nach Hause nehmen. Genforscher könnten damit viel anstellen, etwa einen genetischen Fingerabdruck ablesen, mit dem sich ein Verbrecher identifizieren ließe. Wie das geht, wird im Gläsernen Labor ebenfalls gezeigt.

Neben diesen beiden Experimenten „Erbsubstanz zum Anfassen“ und „DNS-Detektive“ gibt es noch zehn weitere genetische Versuche, aus denen die Besucher wählen können. Ganz neu sind dabei die Experimente, die in einem Zell-Labor im benachbarten Max-Delbrück-Centrum unterrichtet werden. „Das Labor ist noch moderner, noch schicker“, sagt Scheller. „Mit sterilen Arbeitsbänken und vielen Mikroskopen. In einem unserer Versuche kann man an einem Einzeller sehen, wie schädlich das Rauchen ist.“ Die Zellen gehen ein – ein Vorgang, der sich unter dem Mikroskop verfolgen lässt.

*
Den Kids gefällt das Laboroutfit.

Die Termine sind begehrt, zurzeit ist das Labor für Schulklassen ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht. Wer einen Familienausflug machen will, oder als Einzelner für einen Tag Genetiker sein möchte, kann sich aber dennoch jederzeit gerne melden. „Dann machen wir bei einer kleineren Schulklasse noch ein paar Plätze zurecht“, sagt Scheller. Alternativ wird zwei Mal im Jahr ein Kurs über die Volkshochschule Potsdam angeboten – der nächste Termin ist im November. Wer mag, kann sich direkt an das Gläserne Labor wenden.

Beitrag von Sina Bartfeld

Links zum Thema

  • Das Gläserne Labor in Berlin Buch
  • Das Leipziger Schülerlabor
  • Das Schülerlabor in Bochum
  • Das Fehling-Lab in Stuttgart
  • Das NaT-Lab für Schüler in Mainz
  • Das Gläserne Labor in Neuherberg
  • Das Besucherlabor vom Deutschen Museum in München
  • Das Teutolab der Uni Bielfeld
  • Das Göttinger Experimentallabor für junge Leute
  • Das Schülerlabor der Uni Bremen
  • Scripte für Schulversuche gibt es bei der Bayer AG
  • BioLab Baden-Württemberg on Tour – Forschung, Leben, Zukunft

Zur Person

Sina Bartfeld ist Sciencegarden-Redakteurin, Biologin und Fan des Gläsernen Labors.

Kontakt: , Tel: 030 94 89 29 43, Ulrich Scheller

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