Die langsame Erosion Bolognas

Die zur Lernfabrik verkommene deutsche Universität produziert unter Lehrenden und Studierenden mehr Frust als Abschlüsse, nur Widerstand regt sich in bemerkenswerter Weise kaum. Ist es die Angst, nach dem Juniorprofessor nicht weiter beschäftigt zu werden? Die Studierenden haben wahrscheinlich aufgrund ihrer überfrachteten Stundenpläne weder Zeit zu protestieren, noch über die misslichen Zustände ihres Daseins nachzudenken. Denn: Die nächste Prüfung ist schon übermorgen.Da bleibt einem nur der Weg in die innere Emigration oder man versucht sein Glück außerhalb Deutschlands - vielleicht traut man dort Studenten intelligentere Dinge zu, als nur Stundenpläne zu organisieren und vorgefertigte Lehrinhalte auswendig zu lernen. Einen mutigen Schritt tat in diesen Tagen der Mainzer Theologieprofessor Marius Reiser: Er hat sein Demissionsschreiben beim rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministerium eingereicht. Seine vielfältigen Beweggründe, die sich stets auf den hier bereits mehrfach kritisierten Bologna-Prozess beziehen, legt er in einem Schreiben an seine Universität und das rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerium dar, das in der FAZ nachzulesen ist. Mit dem Demissionsgesuch zieht er die Konsequenzen aus der Berufsverschulung der Universität.

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