Januar 2005

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Erziehung ist ein Thema, das viele Menschen betrifft. Nicht nur deshalb scheinen Erziehungsratgeber Konjunktur zu haben. Ein Konzept, welches immer wieder durch die Medien geistert, nennt sich Triple P – Positive Parenting Program. Doch was genau versteckt sich dahinter?

Anders als beispielsweise Elternbriefe, in denen den Eltern ausschließlich schriftlich mit Tipps geholfen wird, ist Triple P ein mehrschichtiges Programm, welches sowohl schriftliche Unterlagen bereithält und an Eltern verteilt, als auch in Kursen den Eltern versucht, Erziehungskompetenz zu vermitteln. Im Mittelpunkt des Trainings stehen siebzehn Strategien, bei deren Anwendung, so die Idee, Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern deutlich reduziert werden können.

Triple P wurde in Australien entwickelt und verbindet unterschiedliche Konzepte, deren Wirksamkeit zum Teil bereits wissenschaftlich nachgewiesen ist. Grundlage von Triple P sind fünf Erziehungsprinzipien: Sorgen sie für eine sichere und interessante Umgebung. Regen Sie das Kind zum Lernen an. Verhalten sie sich konsequent. Erwarten sie nicht zu viel. Beachten sie ihre eigenen Bedürfnisse. Aufbauend auf diese Prinzipien werden siebzehn Strategien vermittelt, die in vier Gruppen zusammengefasst werden können.

*Die Strategien sind zum Teil ganz alltäglich und werden von vielen Eltern auch ohne Triple P praktiziert. Dazu zählen beispielsweise das Loben der Kinder oder der Hinweis, viel miteinander zu reden. Auch die Idee, dass Eltern ihren Kindern ein Vorbild sein wollen, ist weit verbreitet. Dennoch wird in den Triple P Kursen auf diese Aspekte eingegangen. Hier geht es vor allem darum, Eltern diese Strategien bewusst zu machen und sie auf Probleme dabei hinzuweisen. Wer weiß schon, dass beispielsweise an Stelle eines ganz allgemeinen Lobs „Das hast du gut gemacht“ es besser wäre, konkret zu benennen, was das Kind gut gemacht hat: „Schön, dass Du den Tisch abgeräumt hast!“ Einige der von Triple P behandelten Strategien beschäftigen sich mit der Frage, wie auf unerwünschtes Verhalten der Kinder zu reagieren ist. Neben dem Aufstellen von Familienregeln und dem Hinweis, dass stets klare und logische Konsequenzen auf ein Fehlverhalten folgen sollten, ist eine weitere Strategie der „Stille Stuhl“. Dabei werden Kinder aufgefordert, sich für eine begrenzte Zeit zurückzuziehen.

Verhaltenspsychologische Ansätze
Die Verhaltenspsychologie interessiert sich nicht für innerpsychische Vorgänge, sondern orientiert sich am Zusammenspiel von Außenreizen und Reaktion.
» ganzer Text

Das Programm selbst unterscheidet fünf Stufen der Intervention. Der erste Schritt sieht die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Erziehung vor. Sie richtet sich an alle Eltern. Es werden beispielsweise Informationen über das grundlegende Konzept von Triple P durch Broschüren verbreitet. In Neuseeland und Australien gehört auch die Ausstrahlung von Radio- und Fernsehspots zu dieser ersten Stufe. Die zweite Stufe kann Eltern bei eng umgrenzten Problemen helfen. In kurzen Gesprächen mit geschulten Trainern wird das Problem erörtert, es werden Tipps gegeben und aus der entsprechenden Literatur das passende Material herausgesucht. Stufe drei ermöglicht mehr persönlichen Kontakt mit einem Triple P Ausbilder. Zumeist finden vier Treffen statt, bei denen unter anderem die auf das von den Eltern gewünschte Erziehungsziel passenden Strategien eingeübt werden. Während die Stufen zwei und drei vor allem dann Anwendung finden, wenn es ein eng begrenztes Problemverhalten gibt, richtet sich Stufe vier an Eltern mit generellen Erziehungsproblemen. In vier Sitzungen werden die grundlegenden Strategien von Triple P den Eltern vorgestellt und in Rollenspielen eingeübt. Zum Teil ist es möglich, sich die Inhalte aus dem Programm mit Hilfe von Selbsthilfematerialen beizubringen. Die Stufe fünf ist für die Fälle vorgesehen, bei denen mit den in vorherigen Stufe erlernten Wissen keine ausreichenden Ergebnisse erzielt wurden. Diese Stufe findet auch dann Anwendung, wenn Erziehungsprobleme einhergehen mit beispielsweise Problemen der Eltern oder Drogenkonsum. Es geht hier meist auch weniger um Erziehungsprobleme, sondern um handfeste Verhaltensstörungen der Kinder (oder Eltern). Im Mittelpunkt der Stufe steht die intensive persönliche Betreuung. Dies schließt beispielsweise auch Hausbesuche ein.

*Kein Erziehungsprogramm ist unumstritten und so gibt es auch eine Vielzahl von Stimmen gegen Triple P. Die Gründe der Ablehnung sind vielfältig und beziehen sich zum Teil auf einzelne Strategien, aber auch auf das Programm als ganzes. Von Ablehnung betroffen sind vor allem die Strategien im Umgang mit Problemverhalten und hier vor allem der „Stille Stuhl“. Dieser wird abgelehnt, weil es die Eltern zu sehr an das „in der Ecke stehen“ ihrer eigenen Kindheit erinnert. Manche Kritiker sprechen gar von Folter! Anderseits wird das Programm dahingehend angegriffen, dass es Eltern und Kindern zu wenig Freiraum lässt und Erziehung so zu sehr zu einer Dressur gerät. Diese Kritik wird vor allem in Europa laut, weil hier die rein verhaltenspsychologischen Ansätze weniger favorisiert werden, als in Australien oder den USA.

Grundsätzlich sollte beachtet werden, dass Triple P nur Vorschläge macht. Ob und wie diese Vorgehen umgesetzt werden, bleibt den Eltern überlassen. Somit besteht immer die Möglichkeit für die Eltern, ihrem eigenen Erziehungsstil treu zu bleiben. Und auch den Kindern ist geholfen, weil Eltern bei der Wahl der passenden Strategie auch den Charakter des Kindes berücksichtigen können. Nur wenn Erziehungsstil, Temperament der Eltern und Charakter der Kinder zueinander passen, ist eine gute Eltern-Kind-Beziehung möglich, die wiederum die Basis für ein glückliches Aufwachsen von Kindern ist.

Beitrag von Birgit Milius

Links zum Thema

  • Deutsche Triple P-Webseite
  • Kritik an Triple P vom Kinderschutzbund (pdf)

Zur Person

Dipl. Ing. Birgit Milius ist Redakteurin bei sciencegarden und Mutter.

Literatur

Triple P ist ein Konzept unter vielen. Einen darstellenden Überblick über die gängigen Kurse bietet:

  • Tschöpe-Scheffler, Sigrid: Qualitätsanfragen an Elternkurse. Wie man Konzepte leichter beurteilen kann. In: In: Theorie und Praxis der Sozialpädagogik. Nr. 8, 2004, S. 4-7.
  • Tschöpe-Scheffler, Sigrid: Elternkurse im Vergleich. Menschenbilder, Inhalte, Methoden. In: Theorie und Praxis der Sozialpädagogik. Nr. 8, 2004 (Das ganze Heft hat das Thema „Elternbildung“ und bietet verständliche Texte von Experten.)
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