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Seit es die sogenannten neuen Medien gibt, wird der baldige Tod des Buchs entweder von notorischen Bibliophilen und Philologen laut beklagt oder von digital natives erwartungsfroh besungen. Kein Zweifel: die Verlagslandschaft steht vor erheblichen Veränderungen. Mit seinem jüngsten Frontalangriff hat der Internetriese Amazon nun die Befürchtungen von Büchermachern und Bücherfreunden hierzulande weiter verschärft. Man darf gespannt sein, wie die Branche reagiert.

Wie man sich den Giganten auch als Nischenbewohner auf Distanz hält, lässt sich schon jetzt am Beispiel des Hamburger Traditionshauses Meiner studieren: Zuerst und nach wie vor mit anspruchsvollen und gut lektorierten Neuerscheinungen, etwa dem Grundriss Heidegger , der Neuübersetzung von Adam Smith' Theory of Moral Sentiments oder einem Kommentar zur Phänomenologie des Geistes , an dem künftig kein Hegel-Leser mehr vorbeikommen wird (und die es meist auch als eBook-Variante gibt). Der Bedarf an entsprechenden Produkten und professionellen Produzenten ist ungebrochen - bei ansprchsvollen Lesern wie Autoren gleichermaßen.

Darüber hinaus bewirtschaftet der Verlag auch sein eigenes "Hausantiquariat" selbst, und das so erfolgreich, dass es innerhalb kurzer Zeit bereits ausverkauft war und nun erst einmal wieder aufgefüllt werden muss. Als drittes Glied der Verwertungskette kann Meiner nun auf ein Angebot verweisen, auf das viele Leser lange gewartet haben dürften und das erhebliches Zukunftspotenzial besitzt: Einst vergriffene Titel lassen sich im Books-on-Demand-Shop nachkaufen. So sind die Schriften Brentanos ebenso wieder erhältlich wie Fichtes wunderliche Studie über sozialistische Planwirtschaft ( Der geschloßne Handelsstaat ). Zwar zahlt man für die in der Regel gebundenen Sonderanfertigungen im aktuellen Meiner-Grün nicht wenig. Aber das ist auf den gängigen Antiquariatsportalen im Netz, wo man mühsam nach den vergriffenen Titeln suchen muss, kaum anders. Außerdem darf man erwarten, dass der Verlag eventuelle Kostenvorteile durch technologische Innovationen des Herstellungsverfahrens künftig an seine Kunden weiterleitet.

Prinzipiell lässt sich auf diese Weise auch ohne gigantische Lagerkapazitäten das gesamte Verlagsprogramm vorrätig halten, inklusive aller Raritäten und Kuriosa aus der über 100-jährigen Verlagsgeschichte - ein großer Schritt in die richtige Richtung, der Amazons Attacken mit dessen eigenen Waffen pariert und an dem sich hoffentlich bald auch andere Fachverlage orientieren werden.

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